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Zirbelkiefer
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Die Zirbelkiefer (Pinus cembra), auch Zirbenkiefer, Arbe,cite-ref-botanica-637-1-0[1] Arve, Zirbe oder Zirbelcite-ref-botanica-637-1-1[1] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der KieferngewĂ€chse (Pinaceae). Ihre Heimat sind die Alpen und die Karpaten. Zirbelkiefern können bis zu 25 Meter hoch und 1000 Jahre alt werden. Ihre Kurztriebe tragen viele BĂŒschel mit jeweils fĂŒnf Nadeln. Das sehr aromatisch duftende Holz wird als Möbel- und Schnitzholz verwendet. Die Samen (Zapfen) werden irrefĂŒhrend âZirbelnĂŒsseâ genannt, obwohl sie keine NĂŒsse sind.
Contents
âą Namen
âą Beschreibung
âą Habitus
âą Wurzelsystem
âą Borke
âą Holz
âą Nadeln
âą Verbreitung
âą Standort
âą Boden
âą Zeigerwerte
âą Ăkologie
âą Mykorrhizen
âą Nutzung
âą Zirbelholz
âą Zirbelkerne
⹠ZirbelwÀlder
âą Systematik
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Namen
Die Bezeichnung Zirbe (mundartlich auch Zirm) fĂŒr diese Kiefernart ist in Ăsterreich und Bayern (Deutschland) gebrĂ€uchlich. Bis ins 16. Jahrhundert bezog sich dieser Name jedoch nur auf ihre Zapfen. Das Wort geht auf althochdeutsch zirbil âFichtenzapfenâ zurĂŒck, wozu auch mittelhochdeutsch zirben âwirbeln, sich im Kreise drehenâ gehört.cite-ref-2[2]
Der Namenszusatz âcembraâ (Artepitheton) wurde von Carl von LinnĂ© nach den in Europa verbreiteten Vernakularnamen vergeben. Dabei bezog sich LinnĂ© unter anderem auf das 1586 erschienene Pflanzenbuch De plantis epitome utilissima von Pietro Andrea Mattioli, der die Art als Pinus Cembro aufgefĂŒhrt hatte.
âą RĂ€toromanisch:
âą BĂŒndnerromanisch: dschember (Engadin), schiember (Surselva), schember (Rumantsch Grischun) (alle mit stimmhaftem Anlaut [dÊ], [Ê]),
âą Dolomitenladinisch: cier, cirum, zirm (Anlaut [tÊ], [ts]),
âą Friaulisch: cirmul,
âą Italienisch: cembro, cirmolo (letzteres aus dem Friaulischen),
⹠RumÀnisch: zùmbru,
⹠Französisch: pin cembro
In der Deutschschweiz wird dieser Baum Arvecite-ref-5[5] oder dialektal Arbecite-ref-6[6] genannt, in der französischsprachigen Schweiz, in Hochsavoyen und im Aostatal arole oder arolle.cite-ref-7[7] Beide Wörter gehen auf ein gallisches *arawo beziehungsweise eine um eine Ableitungssilbe ergĂ€nzte Wortvariante zurĂŒck.cite-ref-few-3-1[3]cite-ref-8[8] Der typische Mischbestand der Hochgebirgsregion, den die Zirbelkiefer gemeinsam mit der LĂ€rche bildet, wird in der Fachliteratur als Arven-LĂ€rchenwald bezeichnet.
Beschreibung
Habitus
Die Zirbelkiefer ist ein immergrĂŒner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 25 Meter und einen Brusthöhendurchmesser von bis zu 1,7 Meter erreicht. Junge BĂ€ume besitzen einen geraden Stamm, der in einer schmalen Krone endet. Die Ăste reichen fast bis zum Boden. Junge Triebe weisen eine rotgelb gefĂ€rbte, filzige Behaarung auf, die sich nach dem ersten Winter schwarzgrau verfĂ€rbt. Vor allem freistehende AltbĂ€ume wachsen oft in bizarren Formen und sind hĂ€ufig tief und krĂ€ftig beastet. Sie sind meist krummschĂ€ftig oder mehrstĂ€mmig. Solche Wuchsformen treten in geschlossenen BestĂ€nden eher selten auf.cite-ref-sch-tt347-9-0[9]
Wurzelsystem
Auf den meist flachgrĂŒndigen und geschiebereichen Gebirgsböden ist die Zirbelkiefer nur selten in der Lage, ein Wurzelsystem ungestört auszubilden. JungbĂ€ume bilden eine Pfahlwurzel aus, die nur von kurzer Lebensdauer ist und schon bald von krĂ€ftigen Senkerwurzeln abgelöst wird, welche von den weit reichenden Seitenwurzeln ausgehen. Diese Senkerwurzeln dringen in Gesteinsspalten ein und verankern den Baum so.cite-ref-sch-tt350-10-0[10]
Borke
Die Borke von AltbĂ€umen ist von graubrauner Farbe und weist die fĂŒr Kiefern typischen LĂ€ngsrisse auf. Die innere Rinde ist rötlichbraun gefĂ€rbt. Die glatte Rinde der JungbĂ€ume ist glĂ€nzend grau bis graubraun gefĂ€rbt.cite-ref-sch-tt349-11-0[11] Die Rinde der Ăste ist von graugrĂŒner bis hellgrauer Farbe. Junge Triebe sind gerieft.cite-ref-sch-tt348-12-0[12]
Holz
Siehe auch: Nutzung#Zirbelholz
Das zuerst rötliche und spĂ€ter rotbraun gefĂ€rbte Kernholz duftet stark aromatisch und wird von einem relativ schmalen gelblichen Splint umgeben. Das Holz ist relativ leicht, weich, mĂ€Ăig bis wenig dauerhaft, lĂ€sst sich gut bearbeiten, ist nagel- und schraubenfest und besitzt einen gleichmĂ€Ăigen, feinen Aufbau. Der Splintanteil ist empfindlich gegenĂŒber BlĂ€uepilzen. Die Jahresringe sind deutlich zu erkennen. Das SpĂ€tholz besitzt zahlreiche und relativ groĂe HarzkanĂ€le. Der Fladerung wird durch viele gesund eingewachsene und dunkel rotbraun gefĂ€rbte Ăste eine dekorative Struktur verliehen. Die Darrdichte betrĂ€gt 0,37 bis 0,56 g/cmÂł.cite-ref-sch-tt349-350-13-0[13] Zirbenholz ist leicht und weich (Darrdichte 400 kg/mÂł, BrinellhĂ€rte 15 N/mmÂČ) und sehr gut zu bearbeiten, die Festigkeitseigenschaften sind mĂ€Ăig gut, das SchwindmaĂ gering. Es lĂ€sst sich gut spalten und gut schnitzen. Die Trocknung geht leicht, bei der OberflĂ€chenbehandlung ist der Harzanteil zu berĂŒcksichtigen.cite-ref-14[14]
Nadeln
Die biegsamen Nadeln der Zirbelkiefer werden fĂŒnf bis elf Zentimeter lang und rund einen Millimeter dick. Jeder Kurztrieb weist mehrere BĂŒschel zu je fĂŒnf Nadeln auf, die meist gehĂ€uft an der Zweigspitze angeordnet sind. Der Nadelrand ist bis auf die Nadelspitze fein gesĂ€gt. Die im Querschnitt dreieckigen Nadeln besitzen zwei nach unten weisende Seiten. Jede dieser Seiten besitzt mehrere blĂ€ulich-weiĂ gefĂ€rbte Spaltöffnungsstreifen. Die gewölbte Nadeloberseite ist dunkelgrĂŒn und weist keine Spaltöffnungen auf. Die PrimĂ€rnadeln, die den KeimblĂ€ttern folgen, und die spĂ€ter gebildeten SekundĂ€rnadeln besitzen sowohl auf der Nadelober- als auch auf der Nadelunterseite Spaltöffnungen. Bei PrimĂ€rnadeln sind diese in sechs bis sieben Reihen und bei SekundĂ€rnadeln an der Oberseite in zwei Streifen von je sieben bis elf Reihen und an der Unterseite in einigen kurzen Reihen angeordnet. Die neun bis zwölf KeimblĂ€tter werden rund drei Zentimeter lang und besitzen an der Nadeloberseite zwei Spaltöffnungsstreifen mit je fĂŒnf bis acht Reihen. Noch im ersten Lebensjahr werden 14 bis 22 flache und am Rand gezĂ€hnte PrimĂ€rnadeln gebildet, die mit Köpfchenhaaren versehen sind. Die Nadeln können bis zu zwölf Jahre am Baum verbleiben.cite-ref-sch-tt347-9-1[9]
BlĂŒten, Zapfen und Samen
Die Zirbelkiefer ist einhĂ€usig-getrenntgeschlechtig (monözisch), wobei eine Selbstbefruchtung möglich ist. Sie wird im Freistand mit rund 40 Jahren mannbar; in dichten BestĂ€nden spĂ€ter. Die BlĂŒtezeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Die violetten weiblichen BlĂŒtenzapfen sind kurz gestielt und erscheinen einzeln oder zu mehreren an den Spitzen von Langtrieben. Man findet sie vor allem an den Ă€uĂeren Bereichen des oberen Kronendrittels. Die gelblichen bis violetten mĂ€nnlichen BlĂŒtenzapfen werden anstelle von Kurztrieben an der Basis von jungen Langtrieben gebildet. Man findet sie vor allem im unteren Kronendrittel. Die Zapfen werden fĂŒnf bis neun Zentimeter lang und 3,5 bis sechs Zentimeter dick. Sie sind anfangs aufrecht stehend und blĂ€ulich-grĂŒn bis violett gefĂ€rbt, zur Reife nach rund einem Jahr verfĂ€rben sie sich hellbraun. Im FrĂŒhjahr des dritten Jahres fallen sie als ganze ab und zerfallen erst danach. Die relativ dicken, rundlichen Samenschuppen werden circa zwei Zentimeter lang. Die neun bis 14 Millimeter langen und 0,2 bis 0,25 Gramm schweren Samen besitzen einen funktionslosen FlĂŒgelrest. Sie verbleiben im Zapfen und werden von Tieren herausgelöst und ausgebreitet. Ein Zapfen enthĂ€lt im Durchschnitt 93 Samen. Das Tausendkorngewicht liegt zwischen 150 und 350 Gramm.cite-ref-sch-tt348-349-15-0[15]
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Zirbelkiefer ist zweigeteilt:
Das gröĂere Teilareal liegt im Alpenraum mit einem Schwerpunkt in den kontinentalen Zentralalpen. Die Westgrenze bilden die Seealpen und die DauphinĂ© in Frankreich, wĂ€hrend die Ostgrenze am Gamsstein in den Ybbstaler Alpen liegt. SĂŒdlich kommt sie bis zum Monte Baldo und dem Monte Viso vor. NordwĂ€rts gibt es einzelne Vorkommen in den nördlichen Kalkalpen vom Genfersee, in den Stubaier und Tuxer Alpen, im Karwendel bis zum Salzkammergut und in den Bayerischen und den Berchtesgadener Alpen. Im AllgĂ€u kommt die Art nicht vor. Als höchstgelegener geschlossener Zirbelkieferwald in Europa gilt der Wald von Tamangur im schweizerischen Unterengadin.cite-ref-16[16]
Das zweite und kleinere Teilareal befindet sich in der Hohen Tatra und in den SĂŒd- und Ostkarpaten.
Im Ampasser Kessel unterhalb der Viggarspitze in den Tuxer Alpen befindet sich auch der Ă€lteste Baum Tirols, eine ĂŒber 700 Jahre alte Zirbelkiefer, die 1926 als Naturdenkmal ausgewiesen wurde.
Standort
Die Zirbelkiefer bildet ReinbestÀnde oder ist mit der EuropÀischen LÀrche (Larix decidua) im Vaccinio-Pinetum cembrae vergesellschaftet und bildet mit ihr die LÀrchen-ArvenwÀlder der oberen subalpinen Stufe.cite-ref-oberdorfer2001-18-0[18]
Temperatur und Niederschlag
Die Zirbelkiefer kommt in Höhenlagen von 1300 Meter bis 2850 Meter vor, bevorzugt zwischen 1500 und 2000 Meter. Sie ist eine Baumart des strengen kontinentalen Klimas. Sie gilt als die frosthĂ€rteste Baumart der Alpen â Temperaturen von bis zu â43 °C werden unbeschadet ĂŒberstanden â und ist einigermaĂen wenig anfĂ€llig fĂŒr SpĂ€tfrost.
Im inneralpinen Bereich, wo die JahresniederschlĂ€ge zwischen 700 und 1000 mm liegen, wĂ€chst die Zirbelkiefer hauptsĂ€chlich auf den feuchteren Nord- und WesthĂ€ngen. In der Alpennordkette wĂ€chst sie hauptsĂ€chlich auf den wĂ€rmeren SĂŒd- und SĂŒdosthĂ€ngen.
Boden
Die Art bevorzugt frische und tiefgrĂŒndige Böden sowie versauerte Rohhumusböden. Sie wĂ€chst meist auf Granit, Gneis, Schiefer, Sandstein oder Kalkgestein. Sie stellt nur geringe AnsprĂŒche an den NĂ€hrstoffgehalt und pH-Wert des Bodens. FĂŒr die Keimlinge ist eine Versorgung mit Kalium wichtig.cite-ref-sch-tt350-351-19-0[19]
Zeigerwerte
Nach Ellenberg ist sie im Jugendstadium eine Halbschattenpflanze,cite-ref-20[20] ein Frischezeiger, auf stickstoffarmen Standorten wachsend und eine Verbandscharakterart der ArvenwÀlder und Gebirgs-Zwergstrauchheiden (Rhododendro-Vaccinienion). Sie ist die Schlussbaumart des hochsubalpinen Waldes (Larici-Pinetum cembrae).cite-ref-sch-tt346-17-1[17]
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mĂ€Ăig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), NĂ€hrstoffzahl N = 2 (nĂ€hrstoffarm), KontinentalitĂ€tszahl K = 4 (subkontinental).cite-ref-infoflora-21-0[21]
Ăkologie
Krankheiten und SchÀdlinge
Gegen abiotische GefĂ€hrdungen wie Lawinen, Erosion und Nassschnee ist die Zirbelkiefer Ă€uĂerst widerstandsfĂ€hig. Sie ist einigermaĂen resistent gegenĂŒber Ozon und Schwefeldioxid.
Der Erreger des Schwarzkiefer-Triebsterbens, der Schlauchpilz Gremmeniella abietina, befÀllt die Rinde der Zirbelkiefer. StammfÀule-Erreger und Wurzelparasiten spielen keine nennenswerte Rolle. Der Erreger des Strobenrostes, Cronartium ribicola, befÀllt die Zirbelkiefer, richtet aber nur selten SchÀden an.
An Schadinsekten werden der Echte KiefernrĂŒssler (Pissodes pini) und der Graue LĂ€rchenwickler (Zeiraphera griseana) genannt.cite-ref-sch-tt352-22-0[22] Letzterer tritt vor allem in Arven-LĂ€rchenwĂ€ldern auf, wo es in mehrjĂ€hrigen AbstĂ€nden zu Massenvermehrungen kommt. Dabei werden primĂ€r die LĂ€rchen kahlgefressen, sterben in der Regel aber nicht ab. Stehen keine LĂ€rchen mehr zur VerfĂŒgung, geht der SchĂ€dling auf die Zirbelkiefern ĂŒber und zerstört deren Nadeln gleichfalls. Diese leiden sehr nachhaltig darunter und sind dann anfĂ€llig fĂŒr den Befall durch weitere SchĂ€dlinge.
Zirbelkiefer und TannenhÀher
Die Zirbelkiefer steht in enger Lebensgemeinschaft mit dem TannenhĂ€her (Nucifraga caryocatactes), dessen Hauptnahrungsquelle die Zirbelsamen sind. Er ist maĂgeblich an einer natĂŒrlichen VerjĂŒngung der BestĂ€nde beteiligt und verbreitet diese anders als andere Samenfresser wie etwa Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Rötelmaus (Myodes glareolus) oder Spechte auch ĂŒber die Waldgrenze hinaus.
Der Ausbreitungsmechanismus ist die Versteckausbreitung: Der TannenhĂ€her legt ab August zahlreiche Vorratsverstecke mit Zirbelsamen fĂŒr den Winter an. Dabei bevorzugt er weichen oder lockeren Untergrund und legt in diesem auch gröĂere Depots an als in festem Untergrund. Solche Stellen sind fĂŒr den Keimungserfolg und das Wachstum der JungbĂ€ume relativ gĂŒnstig. Aus etwa 20 % der versteckten Samen wachsen SĂ€mlinge, da sie der TannenhĂ€her nicht wiederfindet und sie auch dem Verzehr durch andere Samenfresser entgehen.
Zirbelkiefer und Klimawandel
Aufgrund ihrer langen Generationszeit kann die Zirbe sich möglicherweise nicht schnell genug an die gegenwĂ€rtige globale ErwĂ€rmung und den damit assoziierten Klimawandel anpassen. Eine genetische Studie wies nach, dass JungbĂ€ume in tiefen Lagen von ihren MutterbĂ€umen die Genvarianten (Allele) fĂŒr das vergangene, kĂŒhlere und feuchtere Klima geerbt haben. So werden sie an das zukĂŒnftige, wĂ€rmere und trockene Klima weniger gut angepasst sein (Evolutionary mismatch)cite-ref-23[23]. Um in höhere und kĂŒhlere Lagen ausweichen zu können, brauchen Zirben neben dem TannenhĂ€her auch genĂŒgend Rohhumus fĂŒr das Wachstum der Keimlingecite-ref-24[24]. Dieser existiert in hohen Lagen vielerorts noch nicht. Angesichts dieser Schwierigkeiten ist es denkbar, dass die Vorkommen der Zirbe kleiner und zunehmend zerstĂŒckelt werden. In einzelnen AlpentĂ€lern könnte sie sogar aussterben.cite-ref-25[25]
Mykorrhizen
Die Zirbelkiefer bildet Ektomykorrhiza-Symbiosen mit verschiedenen Pilzen und ist vor allem in höheren Lagen ohne diese kaum lebensfÀhig.
Zu den hÀufigsten Mykorrhiza-Partnern gehören
âą der Fliegenpilz (Amanita muscaria),
âą Lactarius basidiosanguineus,
⹠der Rotbraune Milchling (Lactarius rufus), besonders hÀufig in AltbestÀnden,cite-ref-sch-tt350-10-1[10]
âą Pinirhiza subalpina,
⹠der Zirbenröhrling (Suillus plorans),
⹠der Elfenbeinröhrling (Suillus placidus) und
⹠der Beringte Zirbenröhrling (Suillus sibiricus ssp. helveticus).
Nutzung
Zirbelholz
Forstliche Anbauten blieben aufgrund der TrĂ€gwĂŒchsigkeit, hĂ€ufiger VerbissschĂ€den und einer hohen Ausfallrate im Stangenholzalter meist ohne nennenswerten Erfolg.cite-ref-sch-tt347-9-2[9] Das Holz der nordamerikanischen Weymouth-Kiefer, die in geringem Umfang in sĂŒddeutschen WĂ€ldern angepflanzt wurde, kann in manchen FĂ€llen als Alternative fĂŒr Zirbenholz verwendet werden.cite-ref-26[26] Wegen der gestiegenen Nachfrage hat sich der Preis fĂŒr Zirbenholz in den letzten Jahren (Stand 2015) verdreifacht.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]
Eigenschaften
Siehe auch: #Holz
Die Zirbelkiefer ist eine harzhaltige Kernholzbaumart mit gleichmĂ€Ăiger Maserung und vergleichbarer Dauerhaftigkeit wie LĂ€rchenholz. HĂ€ufig kommen festverwachsene, rotbraune AstansĂ€tze vor. Dem Anteil von bis zu 0,5 % Pinosylvin (ein Terpenoid und Polyphenol) wird eine hemmende Wirkung gegenĂŒber zahlreichen Schadorganismen zugeschrieben. Mit einer mittleren Darrdichte von rund 400 kg/mÂł ist Zirbenholz die leichteste heimische Nadelholzart. Da es weniger schwindet als andere Nadelhölzer, ist es dimensions- und formstabil und neigt beim Trocknen kaum zu Rissbildung und Verdrehung.cite-ref-arge-29-0[29]
Das Holz der Zirbelkiefer hat oft eine lebhafte Zeichnung und wird im Innenausbau fĂŒr TĂ€felungen sowie als Möbelholz fĂŒr BauernkĂŒchen und Schlafzimmer genutzt. Besonders in Tirol und SĂŒdtirol gibt es viele ansĂ€ssige KĂŒnstler, die das Holz der Zirbelkiefer (in Ăsterreich Zirbe genannt) auch fĂŒr Kunstwerke nutzen. Des Weiteren nutzt man es fĂŒr die Herstellung von Schindeln und fĂŒr Schnitzarbeiten; so werden seit dem 17. Jahrhundert die meisten Grödner Holzschnitzereien aus Zirbenholz geschnitzt. Im alpinen Raum wurden AlmhĂŒtten daraus gezimmert.
Der leichte Zugang zur Zirbelkiefer und die verhĂ€ltnismĂ€Ăig weiche Beschaffenheit des Holzes erleichtern die Bearbeitung des Werkstoffs. Durch die enthaltenen Ă€therischen Ăle duftet das Holz angenehm.cite-ref-30[30] Die OberflĂ€che von Zirbenholz bleibt im Innenraum meist unbehandelt, um die aromatischen Duftstoffe nicht einzuschlieĂen.
Das im Kernholz der meisten Kiefernarten enthaltene und bei Verletzung der Rinde neu gebildete Pinosylvin ist ein giftiges Stilben, Terpenoid, und Polyphenol, dessen antimikrobielle, fungizide, entzĂŒndungs- und krebshemmende, antioxidative, neuroprotektive und antiallergene Eigenschaften untersucht werden.cite-ref-31[31] cite-ref-32[32]
Die ARGE Zirbenholz und der Tiroler Waldbesitzerverband veröffentlichen eine BroschĂŒre, in der auf die âumfangreichen Talente ĂŒber die das Holz verfĂŒgtâ hingewiesen wird. Neben einigen anderen Untersuchungsergebnissen wird dargelegt, dass sich Kleidermotten in BehĂ€ltern aus Zirbenholz etwas weniger gut entwickeln, als in BehĂ€ltern aus Fichtenholz.cite-ref-arge-29-1[29] Die meisten der angefĂŒhrten Eigenschaften lassen sich auf die im Kiefernholz und Harz enthaltenen Wirkstoffe zurĂŒckfĂŒhren, die jedoch im Kernholz und Harz der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris) ebenso enthalten sind.
Gesundheitliche Wirkung
Mögliche Auswirkungen von Betten aus Zirbenholz auf die SchlafqualitĂ€t wurden 2003 in einer Studie mit 15 Teilnehmern durch Maximilian Moser bei Joanneum Research untersucht,cite-ref-33[33] 2021 wurde diese mit kleinen ErgĂ€nzungencite-ref-34[34] erneut publiziert. In keinem Fall lĂ€sst sich aus den beiden Arbeiten ableiten, dass Zirben-Möbel den Schlaf und die Gesundheit verbessern.cite-ref-gartlehner-35-0[35]cite-ref-mt-36-0[36] Der Gesundheitswissenschaftler Gerald Gartlehner kritisierte die Studie aufgrund der geringen Teilnehmerzahl. AuĂerdem schliefen die Probanden in ihren eigenen Betten Ă€hnlich wie in den Betten aus Zirbenholz, so dass sich letztlich lediglich ein erhöhter Puls beim Schlaf in den Betten aus kunststoffbeschichteter Spanplatte konstatieren lieĂe.cite-ref-gartlehner-35-1[35]
Zahlreiche Firmen in Deutschland und Ăsterreich haben mit Verweis auf die Studie des Joanneum Research mit gesundheitlichen Auswirkungen von Zirbenholz geworben. Werbeaussagen zur gesundheitlichen Wirkung wurde in Deutschland und Ăsterreich durch verschiedene Gerichte untersagt.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38] Verschieden Gerichte stellten fest, dass die Studie den wissenschaftlichen Anforderungen nicht genĂŒge, bzw. bei der Verwendung zum Zwecke der Werbung gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und das Heilmittelwerbegesetz verstoĂe.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40] Im April 2022 bestĂ€tigte der österreichische Oberste Gerichtshof im Wesentlichen einen Beschluss des Oberlandesgericht Innsbruck, wonach sich ein HĂ€ndler auch die gesundheitsbezogenen Angaben einer lediglich in einer E-Mail verlinkten Internet-Quelle zurechnen lassen muss. Die in der Quelle erwĂ€hnte Studie des Joanneum Research sei zudem nicht geeignet, um medizinische Wirkungen nachzuweisen. Die Werbung mit Auswirkungen von Zirbenholz auf die Gesundheit von Menschen und einer antibakteriellen, schĂ€dlingshemmenden und/oder desinfizierenden Wirkung sei zu unterlassen.cite-ref-41[41]
Im Mai 2023 stellte das Oberlandesgericht MĂŒnchen fest, dass die Aussage, Zirbenduft gĂ€be Kraft, Klarheit und Zuversicht, wirke sich positiv auf den Schlaf aus, beruhige und lasse Menschen tiefer und bewusster einatmen, als gesundheitsbezogene Wirkungsaussage der KrĂ€ftigung und Belebung zu verstehen sei, die grundsĂ€tzlich nur dann hinreichend aussagekrĂ€ftig sei, wenn sie nach den anerkannten Regeln und GrundsĂ€tzen wissenschaftlicher Forschung durchgefĂŒhrt und ausgewertet wurden. Da hier keine entsprechenden Studien angefĂŒhrt worden waren, kam es zu einer Unterlassungsanordnung.cite-ref-42[42]
Zirbenöl, Harz und andere Extrakte
Aus der Zirbe kann das Àtherische Zirbenöl (Arvenöl) gewonnen werden, das zur Wohnraum-Aromatisierung eingesetzt wird.
In der Schweiz werden Arvenkissen hergestellt, in Bayern Zirbenkissen und in Ăsterreich Zirbenrollen mit speziell gehobelten SpĂ€nen des Zirbenholzes als FĂŒllmaterial. Der von den SpĂ€nen ausgehende Zirbenduft soll fĂŒr einen guten Schlaf sorgen.
Aus dem Harz kann ein Immersionsöl fĂŒr die Mikroskopie hergestellt werden.cite-ref-sch-tt352-22-1[22]
Zirbelkerne
Im Unterschied zu den Ă€hnlich aussehenden Pinienkernen sind sie meist weniger lĂ€nglich und etwas feuchter. Der Geschmack erinnert an WalnĂŒsse.
Zirbengeist, Zirbenschnaps
Zirbengeist bzw. Zirbenschnaps (âZirbelerâ) wird als Heil- und Genussmittel verwendet. Drei bis vier Zirbenzapfen werden mit Zucker in einem Liter Ansatzschnaps mehrere Wochen eingelegt, bis der Extrakt eine dunkelbraun-rötliche Farbe angenommen hat.
ZirbelwÀlder
In den Hochlagen der Alpen erfĂŒllt die Zirbelkiefer eine wichtige Schutzwaldfunktion.cite-ref-sch-tt345-44-0[44]
Sie ist auch eine als Gartenbaum beliebte Kiefernart.cite-ref-45[45]
In Innsbruck fĂŒhrt von der Bergstation der Patscherkofelbahn Richtung Osten der âZirbenwegâ durch einen der gröĂten und Ă€ltesten ZirbenbestĂ€nde Europas. Auf dem Graukogel in Bad Gastein wurde in der Umgebung von jahrhundertealten Zirben ein âZirbenwegâ als Erlebnispfad errichtet.cite-ref-46[46]
Auch im Pitztal wurde am Hochzeiger ein Zirbenpark errichtet. Der einen Kilometer lange âZirbenParkâ-Rundwanderweg im Pitztal startet an der Hochzeiger-Mittelstation auf 2000 Meter. Der Erlebnisweg mit zwölf Stationen fĂŒhrt durch den Zirbenwald mit Blick auf die Orte Jerzens und Wenns.cite-ref-47[47]
ZirbenwĂ€lder im Gasteiner Tal dienen den Ăsterreichischen Bundesforsten der Samengewinnung durch Baumkletterer, die Zapfen insbesondere in Mastjahren ernten.cite-ref-48[48]
Systematik
Innerhalb der Gattung der Kiefern (Pinus) wird die Zirbelkiefer wie folgt eingeordnet: Untergattung Strobus, Sektion Quinquefoliae, Subsektion Strobus.
Die in der Vergangenheit hÀufig als Unterart oder VarietÀt von Pinus cembra aufgefasste Sibirische Zirbelkiefer wird heute als eigenstÀndige Art Pinus sibirica angesehen.cite-ref-49[49]
Die Chromosomenzahl der Zirbelkiefer betrÀgt 2n = 24.cite-ref-sch-tt348-349-15-1[15]
Literatur
âą Ulrich Hecker: BĂ€ume und StrĂ€ucher. BLV Verlag MĂŒnchen, 1995, ISBN 3-405-14738-7
âą Friedrich-Karl Holtmeier: Tier in der Landschaft â Einfluss und ökologische Bedeutung. Ulmer Verlag Stuttgart 2002, ISBN 3-8001-2783-0. Holtmeier geht in diesem Buch ausfĂŒhrlich auf die Wechselbeziehung zwischen LĂ€rche, Zirbelkiefer und Grauem LĂ€rchenwickler sowie zwischen Zirbelkiefer und TannenhĂ€her ein.
âą SchĂŒtt, Weisgerber, Schuck, Lang, Stimm, Roloff: Lexikon der NadelbĂ€ume. Nikol, Hamburg 2008, ISBN 978-3-933203-80-9, S. 345â355.
Weblinks
Wiktionary: Zirbelkiefer
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Zirbelkiefer
â Album mit Bildern
âą Literatur von und ĂŒber Zirbelkiefer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Zirbelkiefer. auf FloraWeb.de
⹠Zirbelkiefer. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
âą Steckbrief und Verbreitungskarte fĂŒr Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
âą Die Arve â Portrait eines Gebirgswaldbaums. In waldwissen.net. Abgerufen am 5. MĂ€rz 2023.
âą Thomas Meyer: Datenblatt mit BestimmungsschlĂŒssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
âą ProHolz ĂŒber das Zirbenholz
âą Steckbrief
âą Hochschule WĂ€denswil: Steckbrief (PDF; 135 kB)
⹠Pinus cembra in der Roten Liste gefÀhrdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Conifer Specialist Group, 1998. Abgerufen am 12. Mai 2006.
Einzelnachweise
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cite-note-3838. â Moser selbst verwies 2021 in einer Nachricht an das österreichische AuĂenwirtschaftscenter der Wirtschaftskammer Ăsterreich in Berlin, die Studie sei nicht auf andere Zirbenprodukte ĂŒbertragbar. Studien könnten immer nur in dem Kontext verwendet werden, in dem sie gemacht wurden. Max Moser: E-Mail Max Moser vom 3.7.2019 an das AuĂenwirtschaftscenter Berlin der Wirtschaftskammer Ăsterreich. (PDF) In: www.zirbenprodukte.at. Zirbenprodukte GmbH, 3. Juli 2019, abgerufen am 13. Juni 2024.
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